CDU Gemeindeverband Sandhausen
15:45 Uhr | 19.12.2018 StartseiteStartseiteKontaktKontaktImpressumImpressumDatenschutzDatenschutz
 

Presse
23.01.2013, 10:37 Uhr | Rhein-Neckar-Zeitung vom 23.01.13
Bürgermeister gegen Professor
Sandhausener oder Sandhäuser, RNZ 23.01.13
Dereinst tobte im Heidelberger Tageblatt ein Glaubenskrieg. Sportchef Robert Reckwardt, ein Preuße durch und durch, bestand auf den vermeintlich korrekten Namen: Die Sandhausener. "Schließlich handelt es sich nicht um Häuser", so Reckwardt. Seine Widersacher hielten dagegen: "Die Heidelberger sind auch keine Berge." Das Tageblatt gehört der Vergangenheit an, doch nun ist der Streit neu entbrannt. Nach dem Aufstieg in die Zweite Bundesliga, durch den der SV Sandhausen bundesweite Bedeutung erlangt hat, gehen die Meinungen wieder auseinander."

Wie heißt es richtig: Sandhausener oder Sandhäuser? Einen Fußballfreund aus Mittelfranken plagte die Frage so sehr, dass er eine E-Mail an das Bürgermeisteramt schickte. Horst Schneider, der Leiter des Hauptamtes, antwortete: Sandhausener ist die korrekte Rechtschreibung. Sandhäuser ist im regionalen Sprachgebrauch üblich, wird auch im Schriftverkehr gebraucht und ist nicht falsch. Persönlich hält es Schneider so: In amtlichen Schreiben wird der Sandhäuser schon mal zum "Sandhausener Bürger", der Privatmann Schneider ist jedoch stets ein "Sandhäuser".

Strenger sieht es die Wissenschaft. Auf unsere Anfrage beim Germanistischen Seminar der Universität Heidelberg gab es eine klare Antwort. Laut Professor Jörg Riecke, Lehrstuhl-Inhaber für Sprachwissenschaft mit besonderer Berücksichtigung der Sprachgeschichte, muss es "Sandhausener" heißen.

Damit sollte sich der Professor in der Hopfengemeinde lieber nicht blicken lassen. Erich Balles drohte nach gerade überstandener Lungenentzündung ein Rückfall, als wir um seine Meinung baten. "Wir sind Sandhäuser, waren es schon immer und werden es immer bleiben", stellt der Metzgermeister und Ehrenpräsident des SV Sandhausen fest.

Henry Schneider, erfolgreicher Software-Unternehmer und inzwischen nach Heidelberg "ausgewandert", fährt aus der Haut: "Sandhausener? Heer ma bloß uff."

Michael Eckert schrieb sogar an den Privatsender Sky, weil sich ihm während der Übertragung eines Zweitligaspiels der Magen umdrehte. Noch in der Sendung versprachen die Kommentatoren Besserung. Zur Verunsicherung trug der ehemalige Trainer Gerd Dais bei, ein "Kärschemer" übrigens. Ob Sandhausener oder Sandhäuser sei egal, sagte Dais in einem Fernseh-Interview. Nachfolger Hans-Jürgen Boysen bezieht dagegen klar Position: "Wir sind Sandhäuser."

Damit verstößt er nicht unbedingt gegen grammatikalische Gesetze. Wohl hat die deutsche Sprache Regeln, aber es gibt - zum Leidwesen von Millionen von Schülern - eben auch Ausnahmen. So sind die Einwohner von Hannover nicht die Hannoverer, sondern Hannoveraner, die Bürger von Halle heißen nicht Halleer, sondern Hallenser. Wer in Madrid wohnt, ist Madrilene. Man spricht nicht von den Elfenbeinküstern, sondern von den Ivorern, von den Florentinern und nicht von den Florenzern.

Wer es nicht glaubt, dem schreibt es der oberste Sandhäuser hinter die Ohren. Das Machtwort von Bürgermeister Georg Kletti: "Auch wenn Germanisten und andere schlaue Leute das Gegenteil behaupten. Für mich gibt es nur Sandhäuserinnen und Sandhäuser."
Wolfgang Brück, RNZ
Impressionen
Termine
CDU Landesverband
Baden Württemberg
 
   
0.03 sec. | 31172 Visits